Ist der anonyme Erfolg im Internet möglich?
Kurze Antwort: Ja, aber…
Ausführliche Antwort: Im Gespräch mit Kunden stelle ich immer wieder fest, dass vielerorts ein völlig falsches Bild vom Verkauf im Internet existiert. Etliche Menschen sind der Meinung, völlig anonym im Internet mit einer Seite erfolgreich sein zu können. Nur das Geld soll am Ende des Monats auf das eigene Konto “regnen”.
Die allgemeine Vorstellung scheint zu sein, dass die Kunden online zu jeder Tages- und Nachtzeit im eigenen Shop bestellen und kaufen, ungeachtet der Person die hinter dem Webauftritt steht. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall:
Käufer wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben!
Betrachte Dich sich selbst, wenn Du etwas kaufen willst (ein Beispiel):
Du willst eine etwas teurere Digitalkamera im Internet kaufen. Du findest nach kurzer Suche einen Internet-Shop, der das gewünschte Produkt fährt. Du legst das Gerät und diverses Zubehör in den virtuellen Warenkorb, gibst Deine Adresse ein, zögerst jedoch vor dem Absenden: Du willst wissen, ob der Artikel vorrätig ist. Da die Information für Dich nicht zu erkennen ist, suchst Du nach einer geeigeneten Kontaktmöglichkeit.
Auf der Kontaktseite des Shops siehst Du ein Bild einer Mitarbeiterin, ihren Namen und eine Telefonnummer. Du rufst an. Es meldet sich eine Frau und stellt sich vor. Du bemerkst am Namen: es ist die Mitarbeiterin auf dem Bild, und sie teilt Dir mit, dass die Kamera vorrätig ist und in 2 Tagen bei Dir sein könnte. Du bedankst Dich für die Information, legst auf und klickst auf “Bestellung abschicken”…
Weiterhin spielt auch die Marke eine Rolle. Je größer und bekannter eine Firma ist, um so mehr sorgt die Bekanntheit der Marke für Vertrauen (z.B. Amazon oder eBay).
Gerade lokal agierende bzw. kleine und mittelständische Unternehmen haben aber selten derart bekannte Marken aufgebaut. Vertrauensbildende Maßnahmen sind im Web jedoch noch wichtiger als anderswo, da kein direktes Gegenüber vorhanden ist, wie z.B. im Fachgeschäft um die Ecke. Dazu gehören Bilder, Namen, Telefonnummern, Kontaktformulare, Impressum und andere Dinge.
Eine Webseite im Browserfenster zu schließen ist wesentlich einfacher und schneller als unter den Augen des Verkäufers aus dem Geschäft zu gehen, ohne etwas gekauft zu haben. Daher sollte die gesamte Online-Kommunikation Deines Projekts vielmehr auf Kontakt als auf Anonymität ausgerichtet sein. Dazu gehöt auch die Nennung des eigenen Namens in Deiner E-Mail-Kommunikation.
- Hast Du in Deinem E-Mail-Programm eine Signatur mit Deinem Namen, Telefonnummer und Webadresse definiert?
- enthält Deine Absender-Adresse Deinen richtigen Namen wenn Du eine E-Mail verschickst?
(z.B. “Max Mustermann” <max.mustermann@example.com>) - Habe ich als Besucher Deiner Webseiten eine Vorstellung davon, wen ich anrufe, wenn ich Deine Telefonnummer wähle? (ein Bild)
- hast Du ein Kontakt-Formular auf Deinen Seiten, mit dem ein Besucher Dir jederzeit eine Nachricht hinterlassen kann?
- Meldest Du Dich am Telefon mit Firmennamen oder Namen?
Auch wenn manches selbverständlich scheint, wird es, wie ich immer wieder feststelle, häufig vergessen oder einfach nicht für nötig gehalten. Oft sind es eben diese “Kleinigkeiten”, die einen großen Unterschied ausmachen (Die kleinen Dinge summieren sich zu einem großen Ganzen).
Ach ja, den Bogen zum anonymen Erfolg noch zu spannen: Er ist natürlich möglich, hat aber in der Regel entweder nicht planbar, hat mit SPAM zu tun, oder er ist so schnell wieder vorbei wie er gekommen ist…